Oooo: Always already fractured
31. Juli 2025, 18:00
Overbeck Pavilion
Oooo: Always already fractured
31. Juli 2025, 18:00
Overbeck Pavilion
Mit ALWAYS ALREADY FRACTURED präsentierte Christian Naujoks im Garten des Overbeck-Pavillons eine musikalische Arbeit, die das Hören selbst in den Mittelpunkt stellte – nicht als neutrales Wahrnehmen, sondern als politisch, sozial und körperlich bedingte Praxis.Ausgehend von persönlichen Recherchen zu Hörveränderungen und Tinnitus untersuchte Naujoks die Bruchstellen des Hörens – jene Momente, in denen Wahrnehmung instabil wurde, übersteuerte oder sich entzog. Der Titel bezog sich auf Jonathan Sternes Konzept der „diminished faculties“, das davon ausgeht, dass Sinneswahrnehmung nie vollständig oder objektiv ist, sondern immer schon gebrochen – always already fractured.
Naujoks’ Musik hinterfragte dabei grundlegende Vorstellungen von Klang und Hörbarkeit. Typische, kulturell vertraute Geräusche – etwa Tropfen, Rauschen, Signaltöne – erschienen verfremdet, gedehnt, isoliert oder in neue Zusammenhänge gestellt. Durch diese Verschiebungen entstand ein klanglicher Raum zwischen Irritation und Resonanz – ein Raum für geteiltes Hören, für Differenz und Verbundenheit.
Naujoks versteht Hören als eine verkörperte, relationale Erfahrung – geprägt durch Umwelt, Kontexte, Konventionen und Ausschlüsse. So wurde Hören im Rahmen von O nicht nur hörbar gemacht, sondern als soziales und sinnliches Geschehen reflektiert.
Das Programm O der Overbeck-Gesellschaft, lädt ein – gemeinsam zu hören und zuzuhören. Das Format O bietet einen Rahmen für das gemeinsame Erleben und Reflektieren von Öffentlichkeit, unserer Gesellschaft und Musik. Durch Listening Sessions, Performances, Konzerte und Gesprächsformate soll ein Raum des Austausches geschaffen werden, in dem neues Wissen geteilt und generiert wird.
Zuhören wirkt als transformative Kraft: Es kann Türen öffnen, Halt geben, unterstützen und begleiten. Es erlaubt den Ausbruch aus starren Mustern und ermöglicht tiefe Freundschaften. Dennoch bleibt Zuhören in der Gesellschaft oft unterschätzt und vernachlässigt, obwohl es eine zentrale Rolle für das Miteinander spielen könnte.
Das Programm O folgt der Überzeugung, dass zeitgenössische Kunst einen einzigartigen Reflexions- und Erfahrungsraum bietet. International orientiert, mit Blick auf lokale Ortsspezifika, möchte die Overbeck-Gesellschaft in enger Zusammenarbeit mit eingeladenen Künstler:innen, Musiker:innen, Akteur:innen und Wissenschaftler:innen ebensolche partizipativen und kollektiven Räume des offenen Austauschs entstehen lassen.