Asta Lynge
Capacity (DE)
2025

Asta Lynge
Capacity (DE)
2025

In CAPACITY macht Asta Lynge die Strukturen transparent, die Vorstellungen von Komfort und Stabilität aufrechterhalten. Gerüste, Infrastrukturen und Fortschrittserzählungen halten unsere Welt zusammen und bleibe doch oft unsichtbar. Solche Systeme sind darauf ausgelegt, Gewichte zu absorbieren, Form zu geben und Prozesse zu ermöglichen, aber auch Kontrolle auszuüben und die Grenzen der persönlichen Handlungsfähigkeit im Stillen zu bestimmen. Was unterstützt, kann auch einschränken. Was Ermöglichungen schafft, kann auch reglementieren.
Die Objekte, denen wir in dieser Ausstellung begegnen, befinden sich in einem Schwebezustand, irgendwo zwischen Innovation und Krise, Fortschritt und Zusammenbruch. Sie sind weder vollständig realisiert, noch vollständig demontiert. Sie lenken die Aufmerksamkeit auf den Schaffensprozess selbst und legen uns nahe, uns mit diesen Objekten als “work in progress” und nicht als fertiges Produkt zu beschäftigen. Objekte, die einst geschaffen wurden, um uns zu dienen, sind nun mit Erwartungen aufgeladen - jedes ist ein potenzielles Upgrade, eine schnellere Lösung, eine Abkürzung zur Optimierung. Obwohl sie unser Leben erleichtern sollen, verschwimmt die Grenze zwischen echter Verbesserung und kommerziellem Versprechen immer mehr.
Von der Zahnbürste bis zur Gitarre, vom Sofa bis zum Bildschirm sind wir von Werkzeugen der Leistungssteigerung umgeben, die uns Komfort und Identität versprechen. Ihre Präsenz ist sowohl sichtbar als auch unsichtbar: sichtbar in der Oberfläche des Designs, aber undurchsichtig in den Systemen, die sie darstellen.
In ihrer Praxis setzt sich Asta Lynge mit diesen Schichten auseinander. Indem sie ein Sofa dehnt, eine Form vektorisiert oder eine einst vertraute Struktur neu konfiguriert, behandelt sie das Material als Medium und Geste zugleich. Eine Gitarre wird ihres Klanges beraubt, eine Zahnbürste wird zur Nahrung, ein Sofa wird dekonstruiert, bis nur noch sein Skelett übrig bleibt. Diese Gesten sind nicht nur ästhetisch, sondern werfen grundlegend Fragen auf: welche welt produziert diese Objekte und welche Objekte produzieren diese Welt ihrerseits? Welche Wert-,Begehrens-oder Identitätsysteme sind sie eingebettet? Sehen wir diese Systeme anders, wenn die Objekte nicht mehr funktional sind?
Lynges Werke bieten keine Lösung an; vielmehr verkörpern sie eine Kontinuität, eine sich wiederholende Choreografie zwischen Herstellung und Demontage, ohne dass ein Endpunkt in Sicht wäre. In CAPACITY fordert Lynge uns auf, darüber nachzudenken, was passiert, wenn das Versprechen scheitert und nur der Rahmen - die Struktur, der Überrest - zurückbleibt.


Dieses Booklet erscheint anlässlich der Ausstellung
ASTA LYNGE
CAPACITY
18. Mai - 29. Juni 2025
Texte: Paula Kommoss
Redaktion: Jess Clifford
Lektorat: Anne Levke Vorbeck
Korrektorat: Talia Walther
Grafikdesign: Marius Schwarz

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