Permeable Condensation
2026

Permeable Condensation
2026

Wasser entzieht sich einer eindeutigen Erscheinungsform - es kommt und geht, kondensiert und hinterlässt Spuren.
Zwischen Sichtbarkeit und Verschwinden, Materialität und Fluss versammelt PERMEABLE CONDENSATION künstlerische Positionen, die Wasser sowohl als physische Substanz als auch als Träger sozialer, politischer und affektiver Beziehungen begreifen.
Im Zentrum der Ausstellung stehen die Zwischenzustände des Wassers - Prozesse des Übergangs und der Transformation, in denen sich seine Aggregatszustände verschieben und das Unsichtbare als materielle Präsenz in Erscheinung tritt. Arbeiten von Eda Aslan, Hanne Darboven, Hans Haacke, Saodat Ismailova und Helena Uambembe untersuchen Prozesse wie Kondensation, Verdunstung und Austrocknung und thematisieren damit die Wandelbarkeit eines Elements, das sich beständig einer festen Form entzieht.
Der Titel der Ausstellung, PERMEABLE CONDENSATION (deutsch: durchlässige Kondensation), verweist auf ein produktives Spannungsverhältnis: Während Kondensation einen Prozess der Verdichtung und Materialisierung bezeichnet, impliziert Durchlässigkeit Offenheit, Porosität und Übergang. In Verbindung beschreiben diese Begriffe einen Zustand, in dem Grenzen durchlässig und instabil werden - in dem sich das Verdichtete zugleich wieder auflöst, in dem Innen und Außen Körper und Umgebung, Sichtbares und Unsichtbares ineinander übergehen. Wasser erscheint dabei nicht nur als physikalisches Phänomen, sondern auch als Medium, das Erinnerungen, Emotionen und Machtverhältnisse transportiert. Die in der Ausstellung versammelten Werke bewegen sich zwischen Trockenheit und Überfluss, zwischen Kontrolle und Entzug, und fragen, wie Wasser Landschaften formt, Körper durchdringt und politische Realitäten bestimmt.
Wasser erweist sich als eine durch Rationalität bestimmte Substanz, deren Bedeutung sich erst in Verbindungen, Kreisläufen und Übergängen entfaltet. Durch seine Fähigkeit, zwischen unterschiedlichen Aggregatzuständen zu wechseln, macht es Prozesse sichtbar, die sich linearer Kontrolle entziehen. In seinen chemischen, wissenschaftlichen und politischen Verflechtungen ist Wasser zugleich lebensnotwendig und erkenntnisstiftend: Es speichert, überträgt und transformiert Bedeutungen, Affekte und Machtverhältnisse. seine Verteilung ist ungleich, sein Zugang reguliert, seine Dynamiken oft unvorhersehbar. Aus dieser Perspektive ist Wasser ein aktiver Bestandteil sozialer, ökologischer und ökonomischer Systeme, in denen Fragilität und Abhängigkeit untrennbar miteinander verwoben sind. Im Zentrum der Ausstellung steht die Spannung zwischen Liquidität und Macht: Wasser als lebensspendende Ressource und verbindendes Element, zugleich aber als politisch, ökologisch und ökonomisch umkämpftes Gut.


Dieses Booklet erscheint anlässlich der Ausstellung
PERMEABLE CONDENSATION
Eda Aslan, Hanne Darboven, Hans Haacke, Saodat Ismailova, Jaq Lisboa, Helena Uambembe
Texte: Paula Kommoss und Talia Walther
Redaktion: Jess Clifford und Anne Levke Vorbeck
Lektorat: Talia Walther
Grafikdesign: Marius Schwarz